Graz vollverfließt…

Veröffentlicht: 5. Juni 2013 in Allgemein

Vor ziemlich genau einem Jahr war die Steiermark Opfer des Hochwassers – jetzt sind es andere Bundesländer.
Damals war es sehr schwer irgendwo helfen zu dürfen – irgendwas machen zu können.

Hochwasser_2012

Wir haben dann in Wildon geholfen die Sandsäcke zu füllen – im Minutentakt sind damals Leute gekommen die Sandsäcke für ihre Häuser geholt haben. Zeitungsbericht dazu. Die Deutschen Piraten haben dieses Jahr ein Portal erstellt wo Menschen ihr Hilfe anbieten können und Hilfesuchende zusammengebracht werden.

Im Rahmen der gestrigen Veranstaltung – Wem gehört unser Wasser – war es irgendwie klar, dass es auch um das Hochwasser gehen wird.

Und jetzt kommt der Teil wo ich mich als „nicht Wassertechniker“ oute – mir aber trotzdem meine Gedanken gemacht habe. (Mit freundlicher Unterstützung eines Wasserwirtschafters und eines Bauingenieurs)

Hochwasser in Graz

Am Besten hat mir dazu eine Beschreibung gefallen – Graz kann man sich wie ein Badezimmer vorstellen – vor vielen Jahren gabs einen großen Abfluss und ein paar Fließen drinnen – der Rest war Erde – die hat genügend Fläche für die Versickerung der Oberflächenwässer geboten. Jetzt ist Graz ein fast vollverfließtes Badezimmer – und noch immer gibt es nur einen Abfluss.
Graz hat auch kein eigenes Regen-Abwassersystem – Regenwässer werden entweder in Bäche geleitet oder auf dem eigenen Grundstück zur Versickerung gebracht (wenn der Boden das Wasser halt aufnehmen kann) oder teilweise auch ins Abwassersystem geleitet.
Jedem ist sicher bewusst, dass in einem Badezimmer der Abfluss groß genug sein muss – an jeder Stelle wo Wasser ist. Wenn man also so weiter macht wie bisher und durch Retentionsbecken eigentlich nur kleine Staudämme in Graz baut wird sich langfristig an der Situation denke ich nichts verbessern. Das Wasser sucht sich auch hier seinen Weg – durch Wohnungen und Keller. Die Bewohner in solchen (erst jetzt) gefährdeten Gebieten gehen unter – mit samt ihren Hab und Gut und bekommen teilweise nicht mal mehr eine Versicherung.
Wenn wir jetzt ein perfektes Regen-Abwassersystem hätten – wäre das Problem gelöst – das würde zwar sicher „ein zwei Euro“ kosten – aber dies wäre eine langfristige Lösung und ein Schutz für alle – aber nicht vergessen – auch dieses Wasser muss irgendwohin – in die Mur – und die fließt aber weiter ……

Hochwasser in Österreich, Deutschland, Ungarn

Wenn ich mir diese tragischen Bilder anschaue die durch alle Medien gehen denke ich mir eins – der Großteil der Bäche und Flüsse ist verbaut – rund um die Flüsse herum werden Hochwasserwälle gebaut die das Wasser daran hindern sollen über die Ufer zu treten. 100derte Millionen Euro wurden dafür investiert – wie man sieht auch teilweise mit Erfolg. Das Problem das aber dadurch entsteht ist eines – das Wasser wird dadurch ja nicht weniger – nur die Fläche die das Wasser zur Verfügung hat wird weniger – dadurch ergibt sich eine höher Fließgeschwindigkeit und natürlich auch ein höherer Pegel. An einem kleinen Bach vielleicht kein Problem – nur wenn ich das mit fast jedem Bach und jedem Fluss mache – dann ergibt das am „Ende“ einen zu hohen Pegelstand – und das Wasser sucht sich seinen Weg. Meiner Meinung nach wird dadurch das Problem nur verlagert – der Natur aber nicht der benötigte Freiraum gegeben – und Städte die dann an einem großen Fluss sind bekommen dann alles ab.

Ich bin der Meinung hier müsste man österreichweit in Kooperation mit den angrenzenden Ländern neue Konzepte erarbeiten – Staumauern und Retentionsbecken verzögern geringfügig – können aber das Problem auch verstärken – also wie wäre es mit einer länderübergreifenden Zusammenarbeit?

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Kommentare
  1. Peter Haas sagt:

    Ein sehr komplexes Thema. Ich kenne die konkrete Grazer Situation nicht, aber die allgemeinen Probleme sind im städtischen Bereich immer die gleichen. Die Forderung, den Flüssen mehr Raum zuzugestehen (die ich grundsätzlich unterstütze) stößt aus Platzgründen innerhalb großer Städte natürlich an Grenzen.

    Regen-Abwasser-Mischsysteme haben Vor- und Nachteile. Vorteil ist, dass auch das Regenwasser durch die Kläranlage geht und mitbehandelt wird, was angesichts der steigenden Belastung durch Abschwemmen von Trockendeposition auf Hausdächern nicht uninteressant ist. Nachteil ist natürlich die Überlastung des Abwassersystems bei größeren Regenmengen. Regenwasser lokal zu versickern ist überall dort wo dies möglich ist, sicher die ökologisch und hydrologisch am meisten zu begrüßende Variante.

    Ein Punkt, der im Zusammenhang mit Hochwasserschutz häufig vergessen wird, ist der Einfluss der durch Dämme angehobenen Grundwasserstände. Da kann es fallweise passieren, dass der Schutz vor dem Fließgewässer perfekt funktioniert und die Keller trotzdem durchs Grundwasser geflutet werde, weil durch den höher liegenden Wasserspiegel im Fluß die Kommunikation mit dem Grundwasser über das Uferfiltrat verändert wird.

    Eine weitere wichtige Maßnahme, die häufig vergessen wird, sind Rückschlagklappen in der Kanalisation. Auch hier kann aufgrund der geänderten Druckverhältnisse und Wasserspiegellagen bei Fehlen dieser Klappen das Abwasser zurück in die Häuser gedrückt werde.

  2. DieStudentin sagt:

    Ich bin für mehr Hochwasserschutz. Nagl redet immer nur.
    Da muss auch was gemacht werden.

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